Lebensmittelkastration
Mein Essen klagt ganz ungeniert
es fühle sich ganz frech kastriert
Es hat keine Nüsse mehr
Ich bin nun mal Allergiker

Autor. Dichter. Vorleser.
Lebensmittelkastration
Mein Essen klagt ganz ungeniert
es fühle sich ganz frech kastriert
Es hat keine Nüsse mehr
Ich bin nun mal Allergiker
Im Wellness-Hotel
Endlich Urlaub, endlich Zeit
Wir sind bereit für Zweisamkeit
Die Kinder bei den Großmamas
Zeit für Pärchen-Freizeit-Spaß
Auf ins Hotel – Stress bleibt zuhaus
Wellness pur in Saus und Braus
Doch leider teilt man sich den Platz
Mit manch einem verwöhnten Fratz
Diese sind zwar schon erwachsen
Doch zu verwöhnt und machen Faxen:
Im Außenpool schwimmt eine Frau
Der Körper dick, die Haare grau
Bei jedem den sie sehen kann
Bringt sie ihre Klage an
„Letztes Jahr war der Pool wärmer
Das sind niemals dreißig Grad
Achtundzwanzig sind das höchstens“
Es ist ihr zu kalt fürs Bad
Die Anlage ist wunderschön
Und sie meckert wie ne Ziege
Gibt ihren Ärger zu verstehen
Bis ich langsam die Krise kriege
Ich schwimme leise hin zu ihr
Still und freundlich, froh und munter
Nette Blicke tauschen wir
Ich hab die Hand und tauch sie unter
Aber man macht’s nicht und ärgert sich dann
Denkt, sowas mach ich irgendwann
Bleibt wo man ist, ganz still und stumm
Und immer frag man sich: Warum?
Am Abend schick ins Restaurant
Da ruft ein Gast den Kellner ran
Was für ein schrecklicher Affront
Ob der dazu was sagen kann
Der Gast klagt über das Dessert
Das sei ja wirklich viel zu viel
Der meint das Ernst, erbost sich sehr
Meckert ohne Sinn und Stil
Vom Nachbartisch erheb ich mich
Den kleinen Löffel in der Hand
Der Gast ist gar nicht einsichtig
Meckert außer Rand und Band
Ich knie mich neben seinen Tisch
Klopf ihm beruhigend auf den Rücken
Fang mit dem Löffel eilig frisch
An, seinen Nachtisch zu verdrücken
Aber man macht’s nicht und ärgert sich dann
Denkt, sowas mach ich irgendwann
Bleibt wo man ist, ganz still und stumm
Und immer frag man sich: Warum?
Irgendwann ist es soweit
Es fehlt nur die Gelegenheit
Dann gibt es Frustausgleich zuhauf
Ich freue mich schon jetzt darauf
Hackfleisch und Zwiebel sind in der Form zumeist Igel
eine Kühlschrank-Ballade
Hackfleisch mit Zwiebel,
Da war doch mal was
Mir ist als hätt ich gar
relevantes verpasst
Irgendwas wollt ich kochen
Schon vor ein paar Wochen
Doch das vergaß ich
Und kochte und aß nich‘
Hatt‘ das Fleisch schon erworben
Ganz und gar unverdorben
Es im Kühlschrank verstaut
Und nicht mehr geschaut
War nicht sehr penibel
Hackfleisch und Zwiebel
Wuchsen empor
Ich denke es fror
Und so zog es sich dann
Einen Pelzmantel an
Schön gepunktet weiß-blau
Ist es schon eine Schau
Ich nehm’s mit der Zange
Statt dass ich’s selber anlange
Der Geruch ganz schön übel
Aber ab in den Kübel?
Wär ja auch schade drum
Deshalb die Atmung auf stumm
Und die Nase verschließen
Ganz schnell panieren, in die Pfanne Öl gießen
Dann schön in feinstem Fette baden
Ach guck, da sind auch noch zwei Maden
Schön ausführlich wird’s gebraten
Da sollt‘ man ruhig was länger warten
Jetzt auf den Teller ab damit
Das hält jeden Magen fit
Schön viel Ketchup muss noch sein
Und der Hunger treibt’s dann rein.
Nie wieder Liebeskummer
Ich will nie wieder Liebeskummer spüren
Will mein Leben an deiner Seite führen
Will immer immer mehr mit dir erleben
Wir suchen und finden, wir nehmen, wir geben
Niemals wieder bin ich frisch verliebt
Und auch wenn das ein ganz klein wenig seltsam ist
Weiß ich, dass es nichts schöneres gibt
Als mit einem Mensch zu sein, den man tagaus tagein vermisst
Mit dem man alt und grau und faltig werden will
Kennt voneinander jeden Blick, jede Miene
Irgendwann zittern die Hände, stehen gar nicht mehr still
Braucht ständig Hilfe von Mensch oder Maschine
Ich weiß nicht, welchen Beruf ich in 20 Jahren habe
Vielleicht steh ich noch auf Bühnen, vielleicht bin ich lang schon still
Weiß nicht, was ich tue bis zur Rentenvergabe
Doch ich weiß, neben wem ich Tag für Tag erwachen will
Mein Wintergedicht
Im Fernseher ein Ofenbild
Das Feuer brennt darin
Ein Anblick der nicht sehr erfüllt
Ein Anblick ohne Sinn
Draußen fällt Schnee
Soweit ich da seh
Nur weiße Schwaden
Die die Außenwelt baden
Die Musik spielt in Moll
Das Essen macht mollig
Nachtisch ist toll
Und ich frage mich: Soll ich?
Oder verzichten
Das Stück zu vernichten
Hab schon bis jetzt
Genug Speck angesetzt
Um den Winter davon zu zehren
Keine Not das auch noch zu mehren
Doch was nützt mir der Sixpack
Wenn mir dabei nix schmeckt
Und die Portionen
Nur die Waage entlohnen
Also nicht weiter zaudern
Vor Kalorienziffern schaudern
Rein mit dem Stollen und der Schokolade
So viele Plätzchen, dass ich darin bade
Drehe ich später halt noch ein paar Runden
Ein Winterspaziergang, so sechs bis acht Stunden
Rede ich leise in mich hinein
Und schlaf wohl gesättigt
Vor dem Fernseher ein.
Dessert
Es war mir nicht bewusst
Der Kuchen war benusst
Das Gefühl nicht grad erhebend
Der Genuss war ausschlaggebend
Statt dass die Brust vor Stolz mir schwellt
Sie schnell in sich zusammenfällt
Die letzte Luft geschwind vergeht
Auf dem Grabe, ja da steht
Mit dem Meissel angebracht:
Na hätt er mal Diät gemacht
Backe backe Kuchen 2.0
Backe backe Kuchen
Oma kommt besuchen
Wer will ganz schnell Kuchen machen
Der muss haben sieben Sachen:
Jede Feier
braucht Milch und Eier
Für ein Rührgerät
Ist es nie zu spät
Nen Ofen auch
So ist’s Brauch
Ne Kuchenform
Nach der Norm
Eine Schüssel ohne Sprung
Und ne Backmischung
Alles schön zusammenkloppen
Geschmacklich nur noch schwer zu toppen
Schieb, schieb in den Ofen rein
Noch kurz warten, das wird fein
Die Zahnpastadose
frei nach Joachim Ringelnatz
Es war einmal eine Zahnpastadose
Die hatte sich Friedrich der Große
Selbst geschnitzelt aus Nussbaumholz
Und darauf war sie auch unheimlich stolz
Da kam ein Holzwurm gekrochen
Der hatte Nussbaum gerochen
Die Dose erzählte lang und breit
Von Friedrich des Großens Zahnunreinheit
Sie nannte den alten Fritz kariös
Da wurde der Holzwurm nervös
Und sagte, als er zu Bohren begann
Was gehen mich dem seine Zähne an
Doch die Dose verbot ihm zu essen
Sagte „es heißt nicht dem seine, nein, dessen“
Da trollte der Holzwurm sich geschwind
Dahin wo Hölzer nicht so zimperlich sind
Die rechte Ecke
Sie rufen wieder und sie schreiben
Wer da kommt, der darf nicht bleiben
Sie zündeln in Wort und Tat
Gegen Verstand, Flüchtling und Staat
All das passiert nicht irgendwo
Es passiert hier
Und ich schäme mich so
Schäme mich, dass ich nichts unternehme
Schäme mich, dass es solche Leute gibt
Denen ihr furchtbares Denken
Heutzutage nicht mehr genügt
Und sie rufen auf zu Taten
und sie rufen auf zu Gewalt
Wollen nicht schweigen, nicht denken und warten
Sie kommen in jeder Gestalt
Als Nachbar, als Freund, als irgendwer
Reden und reden und denken nicht mehr
Sie kommen in jung und in alt
All das passiert nicht irgendwo
Es passiert hier
Und ich schäme mich so
Nie zuvor in meinem Leben
Hätte ich das je gedacht
Es würd hier sowas wieder geben
Hätt abgewunken und gelacht
Fremdenhass, in solchen Maßen
In deutschen Städten, deutschen Straßen
Das gibt‘s hier nicht in diesen Tagen
Wie von einem anderen Stern
Selbst Rostock-Lichtenhagen
Schien immer viele Jahre fern
Jetzt seh ich die Bilder und lese die Worte
Seh die Dummheit marschieren durch allerlei Orte
Sie kommen in jeder Gestalt
Als Nachbar, als Freund, als irgendwer
Sie kommen in jung und in alt
Und reden und reden und denken nicht mehr
Drum schweigt nicht, wenn das Gerede ertönt
Auch wenn es Momente nicht gerade verschönt
Redet dagegen, redet bestimmt
Damit Rechte nicht denken, dass sie rechtens sind
Redet dagegen, jedoch mit Niveau:
Ich sehe das nicht so
Ich sehe das nicht so
Ich sehe das nicht so
Egal wer da spricht, ob Jacke, ob Zwirn
Lasst sie nicht reden, in all ihrer Wut
Vielleicht findet manch einer dann wieder sein Hirn
Oder den Anstand, schon das wäre gut
Liebe ist
Liebe ist wie ein Posaunist in C-Dur
Liebe ist wie eine CD von Pur
Liebe ist wie ein Veilchen am Wegesrand
Oder am Auge weil man jemand im Wege stand
Liebe ist wie ein Honigkuchenpferd
Liebe ist wie die Hitze am Herd
Liebe ist wie ein Buchrücken
Wie draußen im Sommer Frühstücken
Liebe ist wie vier Kilo Federn
Liebe ist wie Jonglieren auf Rädern
Liebe ist wie ein Obstsalat
Liebe ist wie eine Regionalexpressfahrt
Liebe ist wie ein Tierversuch
Liebe ist wie ein sehr gutes Buch
Liebe ist manchmal toll, manchmal Mist
Doch Liebe ist eins – und wird es auch bleiben:
Schwer zu beschreiben.