{"id":90,"date":"2013-12-23T14:56:00","date_gmt":"2013-12-23T13:56:00","guid":{"rendered":"http:\/\/arnowilhelm.wordpress.com\/2013\/12\/23\/ein-lichtlein-brennt-ultrakurzgeschichte"},"modified":"2013-12-23T14:56:00","modified_gmt":"2013-12-23T13:56:00","slug":"ein-lichtlein-brennt-ultrakurzgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.arno-wilhelm.de\/?p=90","title":{"rendered":"Ein Lichtlein brennt &#8211; Ultrakurzgeschichte"},"content":{"rendered":"<p>Einen wundersch\u00f6nen guten Tag zusammen,<\/p>\n<p>Weihnachten steht vor der T\u00fcr und ich habe einen neuen Text f\u00fcr euch. Er ist f\u00fcr den Schreibwettbewerb der Lauscherlounge entstanden, das ist das H\u00f6rbuch- und H\u00f6rspiel-Label von Oliver Rohrbeck (vielen besser bekannt als Justus Jonas von den drei Fragezeichen und die deutsche Stimme von Ben Stiller). Dabei ging es darum, eine Ultrakurzgeschichte &#8211; ein gro\u00dfartiges Wort \u00fcbrigens &#8211; zu schreiben, die drei aus mehreren W\u00f6rtern enthalten und einer bestimmten L\u00e4nge entsprechen musste. Die Geschichten der Gewinner (die \u00fcbrigens bisher gro\u00dfartig sind) gibt es <a href=\"http:\/\/www.lauscherlounge.de\/records\/archiv\/adventskalender-2013\/\" target=\"_blank\">hier <\/a>zu bestaunen, eingelesen von prominenten Sprechern. Leider hat mein Text nicht gewonnen, aber ich m\u00f6chte ihn euch dennoch nicht vorenthalten, er gef\u00e4llt mir nach wie vor.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche euch ein sch\u00f6nes Weihnachtsfest morgen,<\/p>\n<p>Viele Gr\u00fc\u00dfe,<br \/>Arno \/ Larry<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Ein Lichtlein brennt<\/p>\n<p>Wie es von ihm verlangt worden war, betrat Hans-Peter Punkt 18 Uhr die Halle. Hinter ihm fiel die schwere Eisent\u00fcr mit einem dumpfen Schlag ins Schloss. Pl\u00f6tzlich herrschte Dunkelheit um ihn herum. F\u00fcr einen Augenblick dachte Peter an einen Stromausfall, doch wahrscheinlich wollte man ihm nur Angst machen. <br \/>Der erste Drohbrief war am ersten Dezember eingetroffen, das wusste er noch ganz genau. Gerade hatte er das St\u00fcckchen Schokolade aus dem Adventskalender vertilgt, da war ihm beim Durchsuchen der Post dieser Brief in die H\u00e4nde gefallen. Aus Zeitungsbuchstaben gebastelt. \u201aWas f\u00fcr ein Klischee\u2018 hatte er gedacht, doch beim Lesen war ihm flau im Magen geworden. Er solle sein Haus dieses Jahr undekoriert lassen, sonst w\u00fcrden schlimme Dinge geschehen. So ein Unsinn. Er war der beste im Dekorieren, er machte sich die meiste M\u00fche. Er hatte schlie\u00dflich extra einen Wettbewerb f\u00fcr das am weihnachtlichsten dekorierte Haus der Stadt ins Leben gerufen. Einen Wettbewerb, den er seither selbstverst\u00e4ndlich Jahr um Jahr gewonnen hatte. Keiner hatte es geschafft seine Verzierungen und immer neuen Figuren zu \u00fcberbieten. Manche davon lie\u00df er sogar extra anfertigen und freute sich dann das ganze Jahr auf die Adventszeit. Nein, das konnte er sich wirklich nicht bieten lassen. Doch seither waren jeden Tag aufs Neue Lichterketten verschwunden, Figuren und anderer Weihnachtsschmuck. Aus dem Garten. Vom Dach. Immer wenn er mal schnell Einkaufen war, arbeitete oder schlief \u2013 pl\u00f6tzlich fehlte etwas, wenn er sich sein geschm\u00fccktes Haus besah. Es hatte ihn fast verr\u00fcckt gemacht. Und jeden Tag wieder der gleiche Brief im Briefkasten. <br \/>Nur heute war es ein anderer gewesen. Diesmal hatte man ihm befohlen in diese Lagerhalle zu kommen, wenn ihm etwas an seinen Sachen lag. Wut, Angst und Irritation wechselten in ihm in rasendem Tempo. Was ihn hier wohl erwartete? Die Dunkelheit war beklemmend. Von irgendwoher drang jetzt leise Musik an sein Ohr. Eine Frauenstimme sang \u201aAdvent, Advent, ein Lichtlein brennt\u2018.<br \/>Schlagartig flammte in der Halle ein Lichtermeer auf. Er erschrak, geblendet von so viel Leuchtkraft. Von so viel bunt. Das erste was er erkannte war ein Weihnachtsmann, ein Mensch in Verkleidung, der an einem Plastik-Rentier lehnte. An seinem Plastik-Rentier! Er sah sich um und sah noch mehr Menschen, alle in Weihnachtsmann-Kost\u00fcmen. Und da waren seine Sachen. Die Lichterketten, die Figuren, sogar das gro\u00dfe Krippenspiel. Einer der Weihnachtsm\u00e4nner zog Kapuze und Bart aus. \u201eRobert!\u201c, rief Hans-Peter als er ihn erkannte. \u201eWas machst du hier? Was soll das?\u201c<br \/>Er sah Schamesr\u00f6te im Gesicht seines Sohnes. Dann r\u00e4usperte er sich. \u201eEntschuldige Papa, wir wollten dir nur einen kleinen Schreck einjagen. Seit Jahren reden wir alle auf dich ein, damit du mit dem Quatsch aufh\u00f6rst. Immer alles noch heller, noch bunter. Aber du wolltest ja nie h\u00f6ren.\u201c Robert zuckte mit den Achseln. \u201eSo als kleiner Denkzettel.\u201c<br \/>Jetzt zogen auch die anderen Weihnachtsm\u00e4nner ihre Kapuzen und B\u00e4rte ab. Hans-Peter erkannte die Sauerlichs von Gegen\u00fcber, die Familie Fischer und all die anderen Nachbarn. Alle mit einem Grinsen im Gesicht. Mit einem L\u00e4cheln fiel er seinem Sohn in die Arme. Die Nachbarn applaudierten. Doch er l\u00e4chelte nicht vor Dankbarkeit, sondern in stiller Vorfreude darauf, wie die Nachbarn morgen reagieren w\u00fcrden. Auf ihre Gesichter wenn sie sahen, wie viel prunkvoller als all die Jahre zuvor er \u00fcber Nacht sein Haus dekorieren w\u00fcrde. Vermutlich war der Postbote gerade dabei, die Pakete bei ihm abzuliefern. Vielleicht w\u00fcrde er die Rechnung von Roberts Taschengeld begleichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen wundersch\u00f6nen guten Tag zusammen, Weihnachten steht vor der T\u00fcr und ich habe einen neuen Text f\u00fcr euch. Er ist f\u00fcr den Schreibwettbewerb der Lauscherlounge entstanden, das ist das H\u00f6rbuch- und H\u00f6rspiel-Label von Oliver Rohrbeck (vielen besser bekannt als Justus Jonas von den drei Fragezeichen und die deutsche Stimme von Ben Stiller). 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