{"id":622,"date":"2016-06-07T16:50:30","date_gmt":"2016-06-07T14:50:30","guid":{"rendered":"https:\/\/arnowilhelm.wordpress.com\/?p=622"},"modified":"2016-06-07T16:50:30","modified_gmt":"2016-06-07T14:50:30","slug":"sophie-holm-2-ein-gruss-zuviel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.arno-wilhelm.de\/?p=622","title":{"rendered":"Sophie Holm 2 &#8211; Ein Gruss zuviel"},"content":{"rendered":"<p>Hallo zusammen,<\/p>\n<p>es ist lange her, dass ich etwas auf dem Blog gepostet habe. Daf\u00fcr kommt hier eine neue Sophie-Holm-Geschichte. Ich hoffe sie gef\u00e4llt dem einen oder anderen.<\/p>\n<p>Den ersten Teil und damit die Einf\u00fchrung in das Thema gab es unter <a href=\"https:\/\/arnowilhelm.wordpress.com\/2015\/01\/10\/sophie-holm-1-eine-einfache-tasche\/\" target=\"_blank\">Sophie Holm 1 &#8211; Eine einfache Tasche<\/a>.<\/p>\n<p>Die neue Geschichte gibt es auch wieder als <a href=\"http:\/\/intern.arno-wilhelm.de\/sophieholm\/SophieHolm2.pdf\" target=\"_blank\">PDF<\/a>, <a href=\"http:\/\/intern.arno-wilhelm.de\/sophieholm\/SophieHolm2.epub\" target=\"_blank\">ePUB<\/a> oder <a href=\"http:\/\/intern.arno-wilhelm.de\/sophieholm\/SophieHolm2.mobi\" target=\"_blank\">MOBI<\/a>.<\/p>\n<p>Viel Vergn\u00fcgen und viele Gr\u00fc\u00dfe,<br \/>\nArno<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1<\/p>\n<p>In den ersten Monaten, in denen ich in der Beckerstra\u00dfe in der kleinen Altbauwohnung im dritten Stock lebte, wurde meine Freundschaft zu Sophie sehr vertraut. Wir verbrachten gro\u00dfe Teile unserer Freizeit gemeinsam und ihre Leidenschaft f\u00fcr R\u00e4tsel und fremde Geheimnisse wurde auch bei mir entfacht. Die meisten in ihrem Bekanntenkreis erfuhren von dieser Passion. Viele von ihnen trugen ihr fr\u00fcher oder sp\u00e4ter, manche spa\u00dfeshalber, manche mit ernstem Hintergrund, Informationen oder Probleme zu, mit denen Sophie sich dann befasste. Oft brachte sie auch ihre gute Beobachtungsgabe in Situationen, in denen sie ihrem Hobby fr\u00f6nen und gleichzeitig anderen Menschen helfen konnte, wie der alten Frau Holder im ersten Stock nach dem Einbruch,\u00a0 oder dem Besitzer des Caf\u00e9 Ahrensberg bei der Sache mit dem Schraubenschl\u00fcssel, der antiken Geige und den Spiegeln. Oft durfte ich dabei sein, wenn es an die Aufl\u00f6sung dieser Probleme ging oder ihr beim Nachgr\u00fcbeln und Recherchieren Gesellschaft leisten. Hier und da halfen ihr meine \u00c4u\u00dferungen sogar dabei, die R\u00e4tsel zu l\u00f6sen. Wir sahen uns fast t\u00e4glich. Daher wunderte ich mich nicht, als es an einem Dienstagmorgen bei mir Sturm klingelte. Vor der T\u00fcr stand Sophie, die angespannt wirkte. \u201eJan, du bist doch ziemlich fit am Rechner, richtig?\u201c, fragte sie rhetorisch. \u201eDir auch einen guten Morgen\u201c, sagte ich g\u00e4hnend, \u201ewas soll ich tun? Ein neues Betriebssystem installieren? Dem BND die Festplatten l\u00f6schen? Mich in die Rechner des Innenministeriums hacken?\u201c Sie verdrehte die Augen. \u201eNe, du sollst dir nur einen Laptop angucken und schauen, ob da was drauf ist, was nicht sein sollte. Und das m\u00f6glichst bald.\u201c Ich griff hinter mich, nahm meine Jacke vom Haken und schloss die T\u00fcr. \u201eDann ist ja gut, ich h\u00e4tte von den drei Sachen auch nur das mit dem Betriebssystem hinbekommen.\u201c Sophie grinste, sagte aber nichts weiter und ging voran, die Treppen hinab.<\/p>\n<p>2<\/p>\n<p>Drau\u00dfen wies sie mir den Weg, wollte aber nicht mit Details herausr\u00fccken, worum es ging. \u201eLass es dir lieber von den beiden erz\u00e4hlen\u201c, sagte sie nur. Den Rest des Weges hing sie schweigend ihren Gedanken nach und ich gr\u00fcbelte, was hier wohl auf mich zukommen w\u00fcrde. Und war jetzt ein guter Zeitpunkt, endlich mit der Frage herauszur\u00fccken, die mir seit dem Anruf letzten Dienstag unter den N\u00e4geln brannte? Ich entschied mich dagegen, Sophie schien nicht in der Stimmung zu sein. Zur Vorlesung, die in einer Stunde begann, konnte ich es, wenn es schnell ging, noch schaffen. Sophie bog um eine weitere Ecke, betrat einen Hauseingang und klingelte. Die Gegensprechanlage blieb stumm. Einen Moment sp\u00e4ter war der T\u00fcrsummer zu h\u00f6ren und wir traten ein. Das Treppenhaus unterschied sich kaum von unserem: Heruntergekommene W\u00e4nde, ebenso heruntergekommene metallene Briefk\u00e4sten, die vor Werbung \u00fcberquollen, eine staubige Treppe, die es zu erklimmen galt. Das Treppengel\u00e4nder war weinrot gestrichen und sah von allem, was das Auge hier erblicken konnte, am besten erhalten aus. In einer offenen T\u00fcr standen ein Mann und eine Frau samt Kleinkind, das ihnen um die Beine wuselte. Offensichtlich brachen sie gerade zu einem Ausflug auf. Sie sprachen Englisch miteinander und diskutierten, ob sie irgendetwas vergessen hatten. Die Frau rief dem Kind immer wieder irgendetwas zu, das ich nicht verstand, der Mann fuhr sich mit der Hand durch seinen rostroten Vollbart. Auf der Treppe begegnete uns ein weiteres P\u00e4rchen, das sich lachend unterhielt. Sie waren schick hergerichtet, als w\u00fcrden sie fein ausgehen, f\u00fcr meinen Geschmack allerdings ein zu grell und glitzernd.<br \/>\nIm zweiten Stock begr\u00fc\u00dften uns zwei gro\u00dfgewachsene blonde Frauen, die sich verbl\u00fcffend \u00e4hnlich sahen. Ich sch\u00e4tzte sie auf Mitte 20. Sie stellten sich mir als Sarah und Jane vor. Sie kannten Sophie entfernt von der Uni. Wir nahmen alle im Wohnzimmer Platz und Sophie bat die beiden: \u201eErz\u00e4hlt die Geschichte nochmal von Anfang an. Jan soll mir helfen, also muss er instruiert sein, und mir kann es n\u00fctzen, alles noch ein weiteres Mal zu h\u00f6ren. Vielleicht fallen euch auch Details ein, die ihr beim ersten Mal vergessen habt.\u201c<br \/>\nSarahs Blick war ernst und verunsichert. Sie nickte und fing an zu erz\u00e4hlen: \u201eDas Ganze hat vor fast drei Wochen angefangen. Und zwar damit, dass ich tags\u00fcber eine SMS bekam. Die Nummer kannte ich nicht. Da hat mir jemand einfach einen sch\u00f6nen Tag gew\u00fcnscht, sonst war nichts. Es stand aber auch nicht drunter, von wem die Nachricht war. Ich habe geantwortet und gefragt wer da schreibt, es kam aber nichts zur\u00fcck. Ich habe mir nichts dabei gedacht.\u201c \u201eAm n\u00e4chsten Tag\u201c, fing jetzt Jane an, \u201ehabe ich eine Mail bekommen, in der stand, dass die schwarzen Tamaris Heels sch\u00f6n meine Beine betonen. Er oder sie hat mir auch einen sch\u00f6nen Tag gew\u00fcnscht. Die Schuhe, die ich an dem Tag anhatte, waren wirklich schwarze High Heels von Tamaris. Das war irgendwie gruselig.\u201c Mir sagte die Marke nichts, aber eine Frage dr\u00e4ngte sich mir auf: \u201eWelche Mailadresse stand als Absender dran?\u201c<br \/>\nDie beiden jungen Frauen zuckten mit den Achseln. \u201eIrgendwas Kryptisches. Ich kann es dir nachher zeigen.\u201c Die Geschichte ging immer so weiter. Mehr Nachrichten per SMS, per Mail, bei Facebook und Twitter. Auf jedem Kanal, \u00fcber den die beiden zu erreichen waren. Immer anonym \u00fcber v\u00f6llig austauschbare Accounts. Erstaunlich war, dass sie auch immer wieder Zettel fanden, die man ihnen zugesteckt hatte und dass Nachrichten auf ihren Computern auftauchten und wieder verschwanden. \u201eEinfach auf dem Bildschirm\u201c, wie Sarah betonte. Leider gab es davon weder Screenshots noch Fotos, die Meldungen waren immer zu schnell verschwunden. Die Nachrichten waren anfangs sehr freundlich und auf eine bizarre, indiskrete Art und Weise nett. Mal \u00e4u\u00dferten sie Komplimente zum heutigen Make-Up oder der Kleidung der Beiden, mal wurde ihnen ein sch\u00f6ner Tag, viel Spa\u00df in der Uni oder beim Einkaufen gew\u00fcnscht. \u201eVielleicht ist es ein Verehrer\u201c, schlug ich vor. \u201eEin Kommilitone, der sich nicht traut euch richtig anzusprechen.\u201c \u201eHaben wir auch gedacht\u201c, antwortete Jane, \u201eaber uns f\u00e4llt zumindest niemand ein, der da in Frage kommen k\u00f6nnte.\u201c In den letzten Tagen waren die Nachrichten pers\u00f6nlicher und anz\u00fcglicher geworden. Sarah wurde rot, als sie von einer Nachricht erz\u00e4hlte, in der es um die Sch\u00f6nheit ihrer Br\u00fcste gegangen war. Der Verfasser hatte beiden auf unterschiedliche Arten geschrieben, dass er sie sich nackt vorstelle und man merkte ihnen an, wie verwirrt und abgesto\u00dfen sie von all dem waren. Sie machten sich Sorgen, schlie\u00dflich konnten Stalker richtig gef\u00e4hrlich werden.<br \/>\nIch lie\u00df mir von den beiden die Nachrichten auf ihren Handys zeigen und schrieb alle Handynummern ab, auch wenn ich es nicht f\u00fcr wahrscheinlich hielt, dar\u00fcber tats\u00e4chlich Informationen zu bekommen. Danach gaben sie mir ihre Laptops, damit ich diese, wie von Sophie gew\u00fcnscht, genauer in Augenschein nehmen konnte. Vielleicht fanden sich darauf Spuren, wie die Nachrichten dorthin gelangten, vielleicht war in den E-Mails mehr Information versteckt, als den Zwillingen aufgefallen war. Sie schienen am Computer nicht sehr bewandert zu sein. In der Zwischenzeit befragte Sophie die Zwillinge einzeln, um an weitere Details zu kommen. Offenbar fehlte ihr noch die z\u00fcndende Idee, welcher ihrer Ideen es als erste zu verfolgen galt.<br \/>\nDie Computer waren beide nicht passwortgesch\u00fctzt und auch sonst gab es darauf nichts, was Eindringlinge fernhalten w\u00fcrde. Ich begann damit, mir die Mails, die die beiden bekommen hatten, genauer anzusehen. Der Quelltext gab nicht viel her. Offensichtlich war jede der Mails von Accounts gekommen, die man schnell und kostenlos massenweise erstellen konnte. Ich versuchte irgendetwas Verd\u00e4chtiges auf den Rechnern zu finden, doch da war rein gar nichts. Alles, was mir noch blieb, war, den beiden den Passwortschutz der Rechner zu aktivieren und Antivirenprogramme zu installieren. Dazu kam jeweils ein Programm, das den Datenverkehr auf den Computern mitschnitt. Alles, was von dem Rechner gesendet wurde oder darauf ankam, wurde dabei aufgezeichnet. Ich hatte die Hoffnung, dar\u00fcber ein wenig mehr \u00fcber diese Nachrichten, die so einfach auf dem Bildschirm auftauchten und wieder verschwanden, herausfinden zu k\u00f6nnen.<br \/>\nAls ich gerade die Rechner herunterfuhr und mit meiner Entt\u00e4uschung haderte, \u00f6ffnete sich hinter mir die T\u00fcr. Sophie kehrte mit einem triumphierenden L\u00e4cheln aus Sarahs Zimmer zur\u00fcck. Sie hatte eine Spur gefunden.<\/p>\n<p>3<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter machten wir uns auf den Heimweg. Ich hatte die Zwillinge gebeten, sich zu melden, falls weitere Nachrichten kamen. Sie wussten auch, dass f\u00fcrs Erste jeder ihrer Schritte am Computer aufgezeichnet wurde. Ihnen das nicht mitzuteilen w\u00e4re mir unanst\u00e4ndig vorgekommen. Sophie w\u00fcrde, bis es an dieser Front Ergebnisse gab, zweifellos versuchen, herauszufinden, wer hinter der ganzen Sache stecken konnte. Sie erz\u00e4hlte mir von der Spur, die sie im Gespr\u00e4ch mit Sarah ausfindig gemacht hatte. \u201eEine der Nachrichten, die sie erhalten hat\u201c, sagte Sophie mit einem begeisterten Funkeln in den Augen, \u201ewar falsch.\u201c \u201eWie? Falsch?\u201c, fragte ich. \u201eDas Kompliment in der Nachricht bezog sich auf ein gr\u00fcnes Oberteil, das sie am Vormittag getragen hatte, aber in der Zwischenzeit hatte sie sich dar\u00fcber Kaffee gesch\u00fcttet und trug es als die Nachricht ankam schon mehrere Stunden nicht mehr.\u201c Sie wirkte fasziniert von dieser Erkenntnis, ich zuckte nur mit den Schultern. \u201eKann die Nachricht nicht einfach zeitverz\u00f6gert angekommen sein?\u201c Sophie sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eWie oft passiert sowas noch?\u201c, fragte sie. \u201eIch sch\u00e4tze das passiert st\u00e4ndig\u201c, mutma\u00dfte ich. \u201eUnd wie wahrscheinlich ist es\u201c, fragte Sophie unbeeindruckt, \u201edass das ausgerechnet an einem solchen Tag bei einer solchen Nachricht passiert?\u201c \u201eVielleicht hat ihr Verehrer sie mittags gesehen und dann am Nachmittag an sie gedacht\u201c, sagte ich. Sophie sch\u00fcttelte erneut den Kopf, erwiderte aber nichts, sondern verfiel in nachdenkliches Schweigen, bis wir in der Beckerstra\u00dfe die drei Stockwerke emporgestiegen waren, wo unsere Wege sich zun\u00e4chst trennten.<br \/>\nDie Vorlesung hatte ich f\u00fcr heute abgeschrieben. Ich setzte mich an den Schreibtisch und br\u00fctete \u00fcber einer Hausaufgabe in Linearer Algebra, bei der weder ich noch mein Gruppenpartner bisher weiterkamen. Nach kurzer Zeit h\u00f6rte ich, wie sich die T\u00fcr der Nachbarwohnung wieder \u00f6ffnete. Ich erkannte Sophies Schritte, die die Treppe hinuntereilten. Das Haus war so hellh\u00f6rig, dass ich ohne es zu wollen immer genau informiert war, wer wann kam und ging. Die n\u00e4chsten Minuten war es still im Treppenhaus. In meinem Kopf kreisten die Gedanken weit mehr um die seltsamen Nachrichten, die die Zwillinge erhalten hatten, als um die Matrizen, die ich da vor mir hatte. Es ging mir nicht aus dem Kopf. Warum sandte jemand solche Nachrichten? Pure Nettigkeit? Waren es wirklich Ann\u00e4herungsversuche? Es war bisher nichts passiert und die Nachrichten freundlicher Natur, warum machten sie mich also nerv\u00f6s? Der Absender \u00fcberschritt dabei Grenzen, vielleicht war das der Grund. Ich lie\u00df meine Hausaufgabe noch ein wenig alleine vor sich hin reifen und suchte stattdessen, ob das Internet mir zu den Handynummern Informationen geben konnte. Offensichtlich geh\u00f6rten sie allesamt zu einem Gratis-SMS-Dienst, bei dem man von der Homepage aus an jede deutsche Nummer Kurznachrichten senden konnte. Das passte ebenso wenig zu einem Ann\u00e4herungsversuch wie der fehlende Absender, andererseits konnten Menschen sehr unterschiedliche Dinge f\u00fcr eine gute Idee halten. Wir w\u00fcrden erstmal abwarten m\u00fcssen.<br \/>\nSophie meldete sich erst am Sp\u00e4tnachmittag des n\u00e4chsten Tages wieder bei mir. Sie rief mich an und bat mich, mit ihr zu den Zwillingen zu kommen. Wir trafen uns unten vor der Haust\u00fcr, sie war offensichtlich nur kurz zum Schlafen zuhause gewesen und hatte den Rest der Zeit mit Recherche verbracht. Sie hatte dunkle Augenringe und ihre feinen Wangenknochen traten deutlicher als sonst zutage. Sie sah sehr abgespannt aus. Viele Kommilitonen und Freunde hatten ihr bereitwillig Auskunft \u00fcber die Zwillinge gegeben. Offensichtlich gab es auch immer wieder den einen oder anderen, der sich in Sarah oder Jane verguckte, aber es hatte sich keine interessante Spur gefunden. In dem Caf\u00e9, in dem Sarah arbeitete, war ebenfalls nichts zu holen gewesen. \u201eEs ergibt einfach keinen Sinn\u201c, fluchte Sophie. \u201eDie Nachrichten meinst du?\u201c Sie nickte. \u201eDie beiden haben nichts, aufs dass es jemand abgesehen haben k\u00f6nnte. Die Theorie, dass es ein Verehrer sein k\u00f6nnte ist auch unwahrscheinlich, schlie\u00dflich w\u00fcrde der kaum beiden schreiben.\u201c \u201eVielleicht hat er sie verwechselt\u201c, schlug ich nach kurzem Nachdenken vor, \u201eund als er seinen Irrtum bemerkt hat, dann einfach der anderen geschrieben.\u201c \u201eDie Nachrichten kamen fast immer abwechselnd an die beiden\u201c, wies Sophie kopfsch\u00fcttelnd meinen Gedanken zur\u00fcck. \u201eGab es eigentlich irgendetwas Neues?\u201c, fragte ich Sophie, w\u00e4hrend wir den Weg des Vortags erneut abliefen, \u201eoder warum sind wir wieder auf dem Weg zu den beiden?\u201c \u201eEine neue Nachricht\u201c, sagte Sophie, \u201ebeziehungsweise zwei: eine auf Sarahs Computer, eine auf Janes Handy.\u201c<br \/>\nWieder wurden wir nach kurzem Klingeln eingelassen. Auf der Treppe kam uns ein hagerer Mann entgegen, der ohne richtig aufzusehen an uns vorbeihuschte. Seine Ausstrahlung war die eines gepr\u00fcgelten Hundes, der es vermeiden wollte, irgendwo aufzufallen.<br \/>\nOben angekommen baten uns die Zwillinge herein. Sie sahen besorgt aus. Wir begr\u00fc\u00dften einander und lie\u00dfen uns dann von den beiden die Nachrichten zeigen. Die auf Sarahs Computer war kurz. Sie hatte diesmal schnell ein Foto gemacht, bevor die Nachricht wieder verschwunden war. Du solltest heute das rote Kleid anziehen. \u201eIch kann gut verstehen, wenn dich das beunruhigt\u201c, sagte Sophie. Ihre Stirn war in Falten gezogen. Sie versuchte ebenso wie ich noch immer einen Sinn in der ganzen Sache zu sehen. \u201eDann solltest du erstmal das hier sehen\u201c, sagte Jane ernst und reichte Sophie ihr Handy. Ich w\u00fcrde dich gerne mal besuchen kommen. Die Nachricht klang weit direkter als alle vorhergehenden. \u201eVielleicht ist es das Beste, wenn die beiden sich an die Polizei wenden\u201c, schlug ich vor. Langsam bewegten wir uns in einer \u00e4u\u00dferst grenzwertigen Gegend. \u201eJa, da hast du wohl recht\u201c, sagte Sophie. \u201eIch wei\u00df nicht, wie viel die ausrichten k\u00f6nnen, aber in jedem Fall lohnt es sich, dort Meldung zu machen. Jetzt ist es wohl schon zu sp\u00e4t, aber morgen solltet ihr auf jeden Fall zur Polizei gehen.\u201c<br \/>\n\u201eVon wann war denn die Nachricht?\u201c, fragte ich, um das Gespr\u00e4ch wieder auf den aktuellen Vorfall zu lenken. Sarah \u00fcberlegte einen Augenblick, dann sah sie auf ihrem Handy nach und antwortete: \u201eDas Foto habe ich kurz vor 12 gemacht.\u201c<br \/>\nIch setzte mich an ihren Laptop und \u00f6ffnete das Programm, das ich ihr installiert hatte. Zun\u00e4chst musste ich zwischen Sarah, die eine Webseite aufrief und unerw\u00fcnschten Zugriffen auf ihren Computer unterscheiden. Nach sechs Minuten fand ich, was ich suchte. Tats\u00e4chlich hatte es gegen 12 Uhr solche Zugriffe gegeben. Ich sah mir die Unterhaltungen zwischen Sarahs Computer und anderen \u00fcber das Internet an, soweit das Programm sie aufgezeichnet hatte. Einige Minuten sp\u00e4ter schlug ich mir mit der flachen Hand vor den Kopf. \u201eBin ich d\u00e4mlich\u201c, fluchte ich leise. Sarah erkundigte sich, was los sei. \u201eIch habe gestern nach Viren gesucht, nach irgendeinem Trojaner, der es erlaubt, an deinen Rechner ranzukommen und allem M\u00f6glichen in dieser Richtung. Aber ich habe nicht daran gedacht, dass du keine Firewall hast und nicht nach legalen Programmen gesucht, die solche Zugriffe erm\u00f6glichen. Jemand hat sich einen direkten Draht zu deinem Computer eingerichtet und kann bequem per Fernzugriff machen, was er oder sie will.\u201c Ich sch\u00fcttelte ver\u00e4rgert den Kopf. \u201eAber warum ist sowas legal?\u201c, fragte mich Jane. Sie sah verwirrt drein. \u201eSolche Programme werden oft in gro\u00dfen Firmen benutzt, damit die IT-Abteilung auf die Computer der Mitarbeiter zugreifen und Sachen neu einstellen und Fehler beheben kann. Solche Sachen. Das, was hier bei dir passiert ist, ist nicht in Ordnung. Eigentlich h\u00e4ttest du die Verbindung auch best\u00e4tigen m\u00fcssen. Mir ist noch nicht klar, wie das passiert sein kann.\u201c Ich speicherte alles, was mir an Zugriffsdaten zur Verf\u00fcgung stand, auch wenn ich wusste, dass solche Daten vor Gericht keinerlei Bestand haben w\u00fcrden. Dann deinstallierte ich das Programm f\u00fcr den Fernzugriff und installierte eine Firewall, um jeden weiteren ungew\u00fcnschten Zugriff aus dem Internet zu unterbinden, so gut es ging. \u201eDas ist total gruselig\u201c, sagte Sarah in Gedanken. \u201eDas jemand alles sehen kann, was man am Computer macht.\u201c Ich nickte, aber mir fiel nichts ein, was ich h\u00e4tte sagen k\u00f6nnen.<br \/>\nSophie hatte auf einem Stuhl Platz genommen, und als ich sie anblickte, sah ich f\u00fcr einen kurzen Augenblick ein L\u00e4cheln in ihrem Gesicht aufblitzen. Ein Augenzwinkern sp\u00e4ter war davon nichts mehr zu sehen und ich fragte mich, ob ich es mir nur eingebildet hatte. Sophie wandte sich an die Zwillinge: \u201eWir sind bei unseren Besuchen hier ein paar eurer Nachbarn begegnet. K\u00f6nnte es sein, dass ihr hier im Haus Verehrer habt?\u201c<br \/>\nDie beiden jungen Frauen warfen sich nachdenkliche Blicke zu, dann sch\u00fcttelten sie synchron den Kopf. \u201e\u00dcberhaupt niemand\u201c, sagte Sarah. Sophie beschrieb ihnen die Kleinfamilie, das P\u00e4rchen und auch den hageren Mann. Ich war erstaunt dar\u00fcber, an wie viele Details sie sich nach diesen kurzen Begegnungen erinnerte. Im ersten Stock gab es eine Wohnung, die ohne Wissen des Eigent\u00fcmers, der irgendwo im Voralpenland lebte, st\u00e4ndig weitervermietet wurde. Dort war gerade die Kleinfamilie zu Gast, die wir am Vortag getroffen hatten. Das prollig aussehende P\u00e4rchen hatte Sarah kurz nach dem Einzug erz\u00e4hlt, dass sie gemeinsam ein Start-Up gegr\u00fcndet h\u00e4tten. Gerade waren sie wohl dabei, ein Spiel f\u00fcr Smartphones zu entwickeln, aber genauer wollten sie nicht darauf eingehen. Der d\u00fcnne bleiche Mann, der uns eben auf der Treppe begegnet war, hie\u00df Lutz Bernstedt, mit ihm hatte sich Sarah schon ein paar Mal kurz unterhalten. Er war erst vor 2 Monaten hier eingezogen und arbeitete, soweit sie wusste, f\u00fcr eine gro\u00dfe Berliner IT-Firma namens SpeedWay an der Hotline.<br \/>\nSophie h\u00f6rte sich das alles ebenso interessiert an wie ich. \u201eWer wohnt sonst noch im Haus?\u201c, fragte sie die Zwillinge. \u201eIch glaube\u201c, begann Jane, den Blick nachdenklich zur Decke gerichtet, \u201edas sind gerade fast alle. Hier ist immer viel Bewegung, was Nachbarn angeht. St\u00e4ndig zieht irgendwer aus und jemand anderes wieder ein, obwohl es gar nicht so viele Wohnungen sind. In der Wohnung gegen\u00fcber von uns wohnen noch zwei junge Frauen. Ich denke, dass die auch ein Paar sind, ich hab mal gesehen, wie sie sich gek\u00fcsst haben. Aber sicher bin ich mir nicht. Was die beiden beruflich machen wei\u00df ich nicht. Du?\u201c Sie blickte zu ihrer Schwester. \u201eSabine ist Krankenschwester\u201c, sagte Sarah, die sich offensichtlich mehr f\u00fcr ihre Nachbarn interessierte, als Jane. \u201eBei Frederieke habe ich keine Ahnung. Aber ja, ich glaube auch, dass das alle Nachbarn waren.\u201c<br \/>\n\u201eIch w\u00fcrde gerne noch die Wohnung auf Wanzen durchsuchen\u201c, sagte Sophie. Da ich keine Vorstellung hatte, wie eine Wanze genau aussah, wartete ich einfach, bis sie alles abgesucht hatte. Zu unserer Entt\u00e4uschung fand sie nichts. Ich konnte an ihrem Gesicht nicht ablesen, ob sie entt\u00e4uscht oder in ihren Vermutungen best\u00e4tigt war. Sie verabschiedete sich kurz darauf, versprach den Zwillingen aber weiter zu recherchieren und bat sie, sich von jetzt an bei jedem noch so kleinen Vorfall zu melden. Als wir hinausgingen, blieb sie an der Eingangst\u00fcr stehen und untersuchte von au\u00dfen das Schloss.<br \/>\nAuf dem Heimweg fragte mich Sophie: \u201eKennst du dich mit Dietrichen aus?\u201c Ich sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eIch hatte einen Onkel, der Dietrich hie\u00df, aber von Einbruchswerkzeug habe ich nicht die geringste Ahnung.\u201c \u201eIch auch nicht, aber ich frage mich, wie ich das lernen kann.\u201c Ich sah sie \u00fcberrascht an. \u201eDu stehst doch auf der Seite des Gesetzes, dachte ich.\u201c \u201ePrinzipiell schon\u201c, sagte sie, \u201eaber es w\u00e4re wohl nicht verkehrt, mit dem gro\u00dfen Zeh in Ausnahmef\u00e4llen \u00fcber die Grenzlinie zu treten, wenn es einer guten Sache dient. Meinst du nicht?\u201c<\/p>\n<p>4<\/p>\n<p>Leider hatten wir schon in den Morgenstunden des n\u00e4chsten Tages wieder Grund, uns bei den Zwillingen einzufinden. Beide waren v\u00f6llig ver\u00e4ngstigt. \u201eDer Typ kommt uns immer n\u00e4her\u201c, sagte Jane mit Sorge im Blick. \u201eWas, wenn er irgendwie krank ist? Wir m\u00fcssen hier weg.\u201c Sie schien sich sicher, dass es sich bei dem Initiator der ganzen Sache um einen Mann handelte. \u201eWas ist denn genau passiert?\u201c, wollte Sophie wissen. Sie hatte mich nach dem Hilferuf der Zwillinge am Morgen aus dem Bett geklingelt und wir waren beide mehr hierher gejoggt als gelaufen. \u201eHeute Nacht war da immer wieder so ein Klopfen um uns herum. In den Rohren, oder an der T\u00fcr. Und jemand hat einen Brief unter der T\u00fcr durchgeschoben mit Fotos von uns, die hier von au\u00dfen durchs Fenster gemacht worden sind. Er will uns zeigen, dass er uns ganz nah ist, wir sind uns sicher. Es gab auch neue SMS.\u201c<br \/>\nAls Sophie das Wort ergriff, sah ich zum ersten Mal richtig, wie m\u00fcde sie heute aussah. \u201eIch habe in den letzten Tagen und die ganze letzte Nacht mit vielen Leuten telefoniert, sowohl offline als auch online recherchiert und eine meiner Theorien hat sich soweit best\u00e4tigt, dass wir der Sache ein Ende bereiten sollten. Kommt mit!\u201c Wir folgten ihr alle drei ein Stockwerk nach unten, wo sie den Klingelknopf neben der linken T\u00fcr bet\u00e4tigte. Der Name darauf lautete Mackensy und kam mir nicht im Geringsten bekannt vor. Daf\u00fcr erkannte ich den Mann, der die T\u00fcr \u00f6ffnete augenblicklich. Es war die eine H\u00e4lfte des prolligen P\u00e4rchens, das uns nur wenige Tage zuvor auf der Treppe hier im Haus begegnet war. Jetzt trug er eine kurze Hose und ein halboffenes Hawaii-Hemd, aus der ein silbernes Kettchen und stattliche Brustbehaarung lugten. \u201eHerr Mackensy, ich m\u00f6chte Sie hiermit auffordern Ihre T\u00e4tigkeit gegen\u00fcber diesen beiden Frauen in der Wohnung \u00fcber Ihnen einzustellen. Sie werden es nicht schaffen.\u201c F\u00fcr einen Sekundenbruchteil fror dem Mann die Mimik ein, dann wurde er sichtbar w\u00fctend. \u201eWas reden Sie da f\u00fcr einen Unfug? Was soll ich gemacht haben? Ich wei\u00df gar nicht, wer die beiden sind. Und wer ist der Fettsack da?\u201c Er deutete auf mich. \u201eIch wei\u00df nicht, ob Sie und ihre Frau das gemeinsam gemacht haben, oder ob nur einer daf\u00fcr zust\u00e4ndig war\u201c, erwiderte Sophie, ohne auf seine Fragen einzugehen. \u201eTatsache ist, dass Sie hier unter falschem Namen wohnen. Ihr richtiger Name ist Frank K\u00f6ssler.\u201c Er hielt inne und es war deutlich zu erkennen, dass Sophie ins Schwarze getroffen hatte. Jane schien ein Licht aufzugehen. \u201eSind Sie mit unserem Vermieter verwandt?\u201c, fragte sie mit irritiertem Blick. \u201eDas geht Sie \u00fcberhaupt nichts an\u201c, entgegnete der Angesprochene, widersprach aber nicht. \u201eEr ist sein Sohn und das Ziel des ganzen Humbugs liegt auf der Hand\u201c, sagte Sophie. \u201eIhr solltet euch hier so unwohl f\u00fchlen, dass ihr freiwillig umzieht.\u201c Sophie zog ein Blatt Papier aus ihrer Tasche und zeigte es ihrem Gegen\u00fcber. Darauf war ein Foto des Mannes, darunter stand allerlei Text. Es sah aus wie der Ausdruck einer Website. \u201eSie brauchen sich auch nicht die M\u00fche zu machen, irgendwas zu leugnen. Es lassen sich genug Fakten \u00fcber Sie finden, dass es keinen Zweifel gibt, dass Sie hier unter falschem Namen leben. Allein das ist schon verd\u00e4chtig genug. Sie oder Ihre Frau haben sich mit dem Schl\u00fcssel Zutritt zur Wohnung der beiden Frauen verschafft. Zweifellos wird die Polizei Fingerabdr\u00fccke finden, die dort nicht sein sollten.\u201c Eine kurze Pause entstand. Herrn K\u00f6ssler schien es die Sprache verschlagen zu haben.\u00a0 \u201eHaben die das mit unseren Nachbarn auch gemacht?\u201c, fragte Sarah, und ihre Schwester nickte, als h\u00e4tte sie sich das ebenfalls schon gefragt. \u201eNein,\u201c antwortete Sophie, \u201eich habe gestern Abend mit einigen eurer Nachbarn geredet. Sie wohnen alle bedeutend k\u00fcrzer hier als ihr und zahlen fast das Doppelte an Miete. Das d\u00fcrfte auch der Grund gewesen sein, warum sie sich so eine M\u00fche gemacht haben, euch los zu werden.\u201c Sie wandte sich wieder an den Mann im T\u00fcrrahmen, der mittlerweile nur noch verunsichert dreinblickte. \u201eUnd das Beste\u201c, sagte sie, \u201ehabe ich Ihnen noch gar nicht erz\u00e4hlt: Ihr Vater hat mir gegen\u00fcber vor weniger als einer Stunde am Telefon zugegeben, dass er Sie damit beauftragt hat, die beiden jungen Frauen aus der Wohnung zu verscheuchen. Er ist aber mit ihrer Methodik ganz und gar nicht einverstanden.\u201c \u201eDas war doch seine Idee\u201c, platzte es aus K\u00f6ssler heraus. \u201eDas lass ich mir nicht unterschieben.\u201c Sophie l\u00e4chelte mitleidig, kommentierte das aber nicht weiter. \u201eUnd was passiert jetzt?\u201c, fragte er. \u201eWir k\u00f6nnen uns doch bestimmt irgendwie einig werden. Sie verstehen schon.\u201c<br \/>\n\u201eJa, wir verstehen schon\u201c, antwortete Sophie k\u00fchl. \u201eWas passieren wird ist das Folgende: Wir \u00fcbergeben das Ganze an die Polizei mit allem, was wir wissen und vermuten. Vielleicht waren Sie clever genug und Ihnen kann nichts nachgewiesen werden, ich bezweifle es aber. Wie ich es mittlerweile mehrfach in solchen Momenten bei ihr erlebt hatte, ver\u00e4nderte sich ihre Ausstrahlung. Sie wirkte k\u00fchler und bedrohlicher &#8211; auf eine seltsame Art gr\u00f6\u00dfer als sonst. Wenn Sie weitermachen, sorge ich h\u00f6chstpers\u00f6nlich daf\u00fcr, dass Sie zur Rechenschaft gezogen werden.\u201c Leise f\u00fcgte sie hinzu: \u201eIm Rahmen des Gesetzes oder au\u00dferhalb. Auf Wiedersehen, Herr K\u00f6ssler.\u201c Ohne ein weiteres Wort zu sagen, schloss der Mann die T\u00fcr und wir kehrten in die Wohnung der Zwillinge zur\u00fcck.<br \/>\nDie beiden sahen nicht erleichtert aus, als wir uns in ihrem Wohnzimmer niederlie\u00dfen. Jetzt, da die seltsamen Geschehnisse der letzten Wochen ein Gesicht und einen Grund hatten, waren sie deutlich erschreckender geworden. \u201eWann hattest du ihn im Verdacht?\u201c, fragte Jane. Ihre Schwester rieb sich die Schl\u00e4fen. \u201eDer Zeitpunkt, als wir ihn und seine Frau im Treppenhaus getroffen haben, hat mich in Kombination mit ihrer Kleidung \u00fcberrascht&#8220;, antwortete Sophie. \u201eWenig Leute haben so unkonventionelle Arbeitszeiten, um mitten am Tag fein rausgeputzt auszugehen, denn nach Arbeiten sahen sie nicht aus. Wenig Leute sehen so erholt aus und haben gleichzeitig genug Geld, derartig teure Klamotten zu tragen. F\u00fcr all das gibt es gute Erkl\u00e4rungen, nicht zuletzt schlicht Urlaub, aber die Kombination lie\u00df mich aufhorchen. Und sp\u00e4testens als ihr uns erkl\u00e4rt habt, was eure Nachbarn beruflich machen, hatte ich Anhaltspunkte f\u00fcr die Recherche. Da war ich mir schon sicher, dass das Ganze von euren Nachbarn ausging und eine starke Vermutung, was das Ziel sein w\u00fcrde.\u201c Auf Janes fragenden Blick hin redete Sophie weiter. \u201eIrgendwer musste sich Zugang zu eurer Wohnung verschaffen und euch im Auge behalten. Von Letzterem, wussten sie, was ihr anhattet. Dank eurer ungesch\u00fctzten Rechner war es f\u00fcr jemanden mit einem Wohnungsschl\u00fcssel ein Leichtes, Software darauf zu installieren, die ihr nicht haben wolltet. Dass du dich im Laufe des einen Tages umgezogen hattest, Sarah, wussten sie so nicht, aber vieles andere. Gestern Abend und heute Nacht habe ich dann die entsprechenden Informationen gefunden, zu eurem Vermieter wusste ich schon einiges, aber ich konnte recht gut nachvollziehen, wer der Nachbarn die Wahrheit gesagt hatte und wer nicht. Und nach Leuten, die ein Start-Up aufziehen, sahen mir die beiden ehrlich nicht aus. Alle, die ich kenne, die das tun, arbeiten deutlich mehr als gut f\u00fcr sie ist. Noch dazu war \u00fcber die Firma nichts im Netz zu finden, rein gar nichts, daf\u00fcr einiges andere, als ich erstmal den Namen Frank K\u00f6ssler gefunden hatte.\u201c \u201eWas ich nicht verstehe\u201c, meldete ich mich zu Wort. \u201eWarum haben sie den beiden nicht wegen Eigenbedarfs gek\u00fcndigt, w\u00e4re das nicht viel einfacher gewesen?\u201c \u201eEinfacher schon, aber risikoreich\u201c, antwortete Sophie. \u201eDer Vermieter hat, als ich ihn aus dem Bett geklingelt und am Telefon in die Enge getrieben habe, zugegeben, dass sie die Wohnung deutlich teurer vermieten wollten. Wenn das auffliegt ist die K\u00fcndigung wirkungslos.\u201c \u201eUnd wie hast du herausgefunden, dass er ein Kind hat?\u201c, fragte ich weiter. Sophie sah besch\u00e4mt aus. \u201eIch habe gestern ein paar Kontakte spielen lassen. Die haben mir in k\u00fcrzester Zeit alles geliefert was ich wissen wollte.\u201c \u201eDu solltest das echt hauptberuflich machen. Detektiv sein, meine ich, falls es sowas noch gibt. Mit Mathe vergeudest du dein Talent.\u201c Sarah hatte ihre Sprache offenkundig wiedergefunden. Ich erwartete, Sophies herrlich freches Lachen zu h\u00f6ren. Stattdessen blickte sie nur einen Augenblick nachdenklich drein und wechselte das Thema. Wir redeten noch ein wenig mit Sarah und Jane \u00fcber das, was vorgefallen war. Dann begleitete Sophie sie bei dem Gang zur Polizei und ich machte mich auf den Heimweg.<br \/>\nAm Abend wir an dem Tisch im Flur von Sophies WG Platz und ich schenkte ohne nachzufragen jedem von uns einen doppelten Whiskey ein. Danach w\u00fcrde Sophie schlafen gehen und ich mit mir ringen, ob ich es ihr in meiner Wohnung gleich tat, oder versuchte f\u00fcr die Pr\u00fcfung in der kommenden Woche zu lernen. \u201eIm Vergleich zu den letzten Malen hast du dich mit der Dramaturgie zur\u00fcckgehalten, oder?\u201c Sie grinste breit und rieb sich nachdenklich das spitze Kinn. \u201eKann schon sein\u201c, antwortete sie dann. \u201eIch hatte das Gef\u00fchl, das ich es dabei hin und wieder \u00fcbertreibe.\u201c \u201eIch glaube, etwas mehr darf es aber schon sein\u201c, sagte ich in \u00fcbertrieben schulmeisterlichem Ton und wir stie\u00dfen miteinander an. Nach einigen Minuten des schweigenden Trinkens fiel mir ein, dass ich Sophie noch etwas hatte fragen wollen. \u201eDie Zeitung in meinem Heimatdorf, oder besser ein Freund meines Vaters, der dort Chefredakteur ist, hat mich gefragt, ob ich nicht mal wieder was f\u00fcr sie schreiben m\u00f6chte. Einen Bericht aus der gro\u00dfen Stadt sozusagen.\u201c \u201eUnd wor\u00fcber willst du schreiben?\u201c, fragte sie. \u201e\u00dcber dich, ehrlich gesagt\u201c, antwortete ich und fing mir einen irritierten Blick ein. \u201eOder \u00fcber uns, k\u00f6nnte man sagen. \u00dcber die R\u00e4tsel, die du l\u00f6st. In letzter Zeit war ich ja oft dabei und ich denke, das f\u00e4nden viele Leser spannend oder unterhaltsam. W\u00e4re das okay f\u00fcr dich?\u201c Eine Weile sah sie mich nachdenklich an. Dann nickte sie. Ein kleines Kopfnicken, das den Rest unseres Lebens ver\u00e4nderte, auch wenn wir davon an diesem Nachmittag in der Beckerstra\u00dfe nicht die geringste Ahnung hatten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo zusammen, es ist lange her, dass ich etwas auf dem Blog gepostet habe. Daf\u00fcr kommt hier eine neue Sophie-Holm-Geschichte. Ich hoffe sie gef\u00e4llt dem einen oder anderen. 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