{"id":282,"date":"2009-09-15T18:21:00","date_gmt":"2009-09-15T16:21:00","guid":{"rendered":"http:\/\/arnowilhelm.wordpress.com\/2009\/09\/15\/man-bekommt-kein-fleisch-ohne-beilage"},"modified":"2009-09-15T18:21:00","modified_gmt":"2009-09-15T16:21:00","slug":"man-bekommt-kein-fleisch-ohne-beilage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.arno-wilhelm.de\/?p=282","title":{"rendered":"Man bekommt kein Fleisch ohne Beilage"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin Studierender. Allein das Wort schon. Was ist aus den guten alten Studenten geworden? Die mit den langen Haaren, zu viel Zeit, zu wenig Geld, daf\u00fcr voll mit politischen Idealen? Warum darf der b\u00fcrokratisierte Mensch an der Uni von heute nicht mehr Student hei\u00dfen. Ist Studierender wirklich geschlechtsneutraler? Ich bin ja an sich ein gro\u00dfer Freund der Gleichberechtigung, aber wenn es um Sprache geht werd\u2018 ich sensibel. Ich m\u00f6chte morgens meiner Freundin nicht die Salzstreuerin reichen m\u00fcssen. Student, das hatte mal was mit Rebellion zu tun, und mit Zeit. Viel Zeit. Mit revolution\u00e4rem Gedankengut. Inzwischen ist studieren ein Teil des Business geworden. Wir werden hin gedrechselt, damit wir dann auch gut Kopf voran in den Managerarsch hinein gleiten k\u00f6nnen. Effizientes Studium, eine traurige Floskel. Nicht umsonst hei\u00dft der Bachelor-Abschluss \u00fcbersetzt Junggeselle. Bleibt ja nicht mehr viel Zeit, sein Leben zu leben, oder in Ruhe zu studieren um sich wirklich vielf\u00e4ltiges Wissen anzueignen, oder Menschen kennenzulernen. Bei uns auf dem Campus h\u00e4ngen ein paar sch\u00f6ne Plakate. \u201eIch studier Diplom, du Opfer\u201c, steht da drauf. Wahre Worte. Ich hab noch gar nicht gesagt was ich studiere, mag vielleicht dem ein oder anderen aufgefallen sein. Ich studiere ein Fach, das einen nicht gleich zum Mittelpunkt auf Partys macht, muss ich gestehen. Ich bin Informatiker. Wenn ihr euch mal mit einer Frau unterhaltet, sagt diesen Satz mal ohne zu lachen, ihr k\u00f6nnt mir glauben, der Gesichtsausdruck ist es wert. Ich w\u00fcrde sagen, der Blick d\u00fcrfte dem \u00e4hneln, den man bekommt, wenn man ihr mitteilt dass man TBC und Hepatitis B gleichzeitig hat. Irgendwie nicht direkt begeistert. Informatiker, das sind doch diese bleichen, lebensfeindlichen Menschen, die nicht gut mit Frauen k\u00f6nnen, den ganzen Tag World of Warcraft spielen und sich nur \u00fcber Dinge unterhalten die normale Menschen nicht verstehen. Das mag ein Klischee sein, aber um ehrlich zu sein umschreibt es viele meiner Kommilitonen nicht allzu schlecht. Mein Unwort des ersten Semesters war deshalb \u201eLinux-Installations-Party\u201c. Ich beschreibe  das jetzt nicht genauer, es darf sich jeder selber ausmalen, wie man diese drei W\u00f6rter in ein Zimmer kriegen soll. Es war auf jeden Fall kein Synonym f\u00fcr eine Schaumparty mit halbnackten Blondinen. <br \/>Interessanterweise haben sich die meisten allgemeinen Studentenklischees ja bis heute gehalten. Zum Beispiel, dass Studenten grunds\u00e4tzlich kein Geld haben. Wobei ich das teilweise bezweifeln m\u00f6chte, wenn ich mir den Notebook-Urwald in einer durchschnittlichen Vorlesung bei uns angucke. Gut, viele Informatiker beschr\u00e4nken ihr Restleben ja angeblich auf die Telefonate mit dem Pizzaservice, da hat man dann selbst in Berlin genug Geld f\u00fcr neue Technik. Vielleicht sollte man eine Frauenquote f\u00fcr Informatik einf\u00fchren, dann w\u00fcrde da bestimmt Leben in die Bude kommen. Allerdings w\u00e4re so eine Quote auch nur da eine gute Idee. In Politik und Wirtschaft w\u00e4re ich ja mal f\u00fcr eine vollkommene Kompetenzquote zu haben, das w\u00fcrde vermutlich einiges \u00e4ndern. \u201eBei gleicher Qualifikation werden Frauen und Behinderte bevorzugt.\u201c Das ist f\u00fcr mich der diskriminierendste Satz, den ich je in einer Stellenbeschreibung gelesen habe. Ich denke, der bessere gewinnt w\u00e4re doch mal eine sch\u00f6ne These. Wobei besser wirklich nur fachlich besser bedeuten sollte, sonst k\u00f6nnte auch das schon wieder diskriminierend werden. Gab es eigentlich irgendwann eine Bewegung f\u00fcr M\u00e4nnerrechte? Sollten die dann nicht Mario Barth verbieten? Oder vielleicht versuchen, technische Studieng\u00e4nge nach au\u00dfen hin attraktiver zu gestalten.<br \/>Kaum jemand wei\u00df ja zum Beispiel wirklich, was Informatiker so den lieben langen Tag machen. Nur, dass das die mit den Nullen und den Einsen sind. Ich werde das hier auch nicht weiter erkl\u00e4ren. Das   ist \u00e4hnlich wie Sexspielchen mit einer Reitpeitsche. Das mag sch\u00f6n sein, aber definitiv nicht f\u00fcr jedermann, deswegen sollte man auch nicht versuchen anderen die Vorz\u00fcge davon zu erkl\u00e4ren. <\/p>\n<p>In Anlehnung an den Berliner B\u00fcrgermeister bleibt mir da trotz allem nur zu sagen: Ich bin Informatiker, und das ist gut so\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin Studierender. Allein das Wort schon. Was ist aus den guten alten Studenten geworden? Die mit den langen Haaren, zu viel Zeit, zu wenig Geld, daf\u00fcr voll mit politischen Idealen? Warum darf der b\u00fcrokratisierte Mensch an der Uni von heute nicht mehr Student hei\u00dfen. Ist Studierender wirklich geschlechtsneutraler? 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