{"id":130,"date":"2012-06-21T21:40:00","date_gmt":"2012-06-21T19:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/arnowilhelm.wordpress.com\/2012\/06\/21\/geistige-notwehr-nach-einer-leider-allzu-wahren-geschichte"},"modified":"2012-06-21T21:40:00","modified_gmt":"2012-06-21T19:40:00","slug":"geistige-notwehr-nach-einer-leider-allzu-wahren-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.arno-wilhelm.de\/?p=130","title":{"rendered":"Geistige Notwehr &#8211; nach einer leider allzu wahren Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>Einen wundersch\u00f6nen guten Tag,<\/p>\n<p>mal wieder ein relativ neuer Text. Ich w\u00fcnsche euch viel Spa\u00df damit. Habt ihr den Termin meiner Buchrelease-Party am 20.Juli hier rechts am Rande schon bemerkt? Das wird ganz wunderbar!<\/p>\n<p>Mit den besten Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Arno \/ Larry<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><\/p>\n<div style=\"margin-bottom:0;page-break-before:always;\">Geistige Notwehr \u2013 nach einer leider allzu wahren Geschichte<\/div>\n<div style=\"margin-bottom:0;page-break-before:always;\"><\/div>\n<div style=\"margin-bottom:0;\"><\/div>\n<div style=\"margin-bottom:0;\">Es gibt Momente im Leben, in denen es einem ein schier unendliches Bed\u00fcrfnis ist, seinem Gegen\u00fcber irgendwas Schweres an den Kopf zu werfen. Aber fangen wir etwas weiter vorne an.<\/p>\n<p>Wir leben in einem Land, dessen Bewohner sich selbst immer gern als Hochzivilisation bezeichnen. Die Evolution ist ausgerechnet in Deutschland zu einem erfolgreichen und verdienten Abschluss gekommen, hat festgestellt, dass es nicht mehr besser geht und sich mangels Arbeit Schlafen gelegt. Wir leben in einer Zeit gef\u00fchlter maximaler Gleichberechtigung. Frauen beispielsweise, d\u00fcrfen prinzipiell bei uns alles genauso wie die M\u00e4nner. Sie kriegen ein bisschen weniger Geld daf\u00fcr, aber wer wird denn da kleinkariert sein. Sie d\u00fcrfen mit Waffe im Dreck herum robben, wenn sie wollen, d\u00fcrfen, d\u00fcrfen in Aufsichtsr\u00e4ten Sitzungen leiten, Stahl kochen oder das Bundeskanzleramt \u00fcbernehmen. Sie m\u00fcssen sich nicht verschleiern oder \u00fcberhaupt auch nur irgendwas anziehen, gerade wenn sie auf Werbeplakaten oder im Fernsehen zu sehen sind. Es wird \u00fcber Frauenquoten diskutiert, es gibt Frauenprogramme in Universit\u00e4ten und gro\u00dfen Betrieben, um mehr Frauen in Ingenieursstudieng\u00e4nge zu bringen, es gibt in manchen gro\u00dfen Firmen Betriebskinderg\u00e4rten, um das Zusammenspiel von Job und Kindern zu erleichtern. Wir haben eine Familien- und Frauenministerin, f\u00fcr die es sehr entscheidend ist, dass gerade Akademikerinnen wieder mehr Kinder kriegen und der b\u00f6se demographische Wandel aufgehalten wird, nicht dass wir Deutschen irgendwann aufwachen und \u00fcberrascht feststellen, dass wir ausgestorben sind.<\/p><\/div>\n<div style=\"margin-bottom:0;\">Wie schon gesagt. Frauen d\u00fcrfen prinzipiell bei uns alles genauso wie die M\u00e4nner. Nun ist der Vorteil der deutschen Sprache, dass sie Worte wie &#8222;prinzipiell&#8220; enth\u00e4lt, die unglaublich bedeutende Aussagen zulassen, ohne dass man dabei allzu konkret werden muss. <br \/>Deshalb d\u00fcrfen auch heute noch F\u00fchrungskr\u00e4fte in gro\u00dfen Betrieben Sachen sagen, wie: &#8222;<span style=\"color:black;\">Das Manko der Frau ist, das sie Kinder bekommt. Das ist wirtschaftlich gesehen ein Problem.<\/span>&#8220; Deswegen stellt er ungern Frauen ein, der Chef. Prinzipiell haben sie nat\u00fcrlich die gleichen Chancen wie M\u00e4nner, laut Firmenpolitik sogar bessere, aber wenn sie ein Manko haben, ist es nat\u00fcrlich nicht seine Schuld, wenn er sie nicht einstellen kann. Man kauft ja auch keine kaputten Gl\u00fchbirnen, egal ob sie nun energiesparend sind oder nicht. &#8222;Bei Studenten ist das besser&#8220;, meint er. &#8222;Da kriegen die meisten noch keine Kinder. <span style=\"color:black;\">Es ist sowieso dumm unter 25 Kindern zu bekommen.<\/span>&#8220; Der Trend geht bei uns ja zur Greisenschwangerschaft. Da k\u00f6nnen dann auch Mutter und Kind gemeinsam Brei essen, das spart nat\u00fcrlich Zeit.<\/div>\n<div style=\"margin-bottom:0;\">Erh\u00e4lt nun eine solche dumme Frau, eine Studentin, eine Akademikerin, die es gewagt hat, sich in einer M\u00e4nnerdom\u00e4ne breit zu machen, gro\u00dfz\u00fcgigerweise trotz ihres Geburtsfehlers eine Frau zu sein, eine Stelle, sollte sie dankbar und dementsprechend unfruchtbar sein. Studenten erhalten nat\u00fcrlich grunds\u00e4tzlich nur befristete Arbeitsvertr\u00e4ge, damit sie sich in ihrer Position nicht zu wohl f\u00fchlen. Kommt eine Studentin nun wider besseren Wissen doch auf die Idee, ihr Manko voll auszusch\u00f6pfen, vermutlich einzig und allein um ihren Chef zu \u00e4rgern, und ein Kind zu bekommen, ist man ihr so freundlich gesinnt, wie es nur irgend m\u00f6glich ist. Die ersten S\u00e4tze des Chefs, nachdem er von der Schwangerschaft erf\u00e4hrt, sind dementsprechend voller Empathie und echter Begeisterung: &#8222;<span style=\"color:black;\">Sch\u00f6n, das sind ja gute Nachrichten. Aber ich muss dir gleich sagen, deinen Vertrag verl\u00e4ngern wir nat\u00fcrlich nicht!<\/span>&#8220; Wie k\u00e4me man auch dazu? Als br\u00e4uchte man jemals wieder eine Arbeitsstelle, man hat sich ja nun eindeutig und \u00f6ffentlich daf\u00fcr entschieden, Vollzeitmutter und damit sicher auch Hausfrau zu werden. Die Firma tut ihr quasi einen Gefallen indem sie so von Anfang an nicht derart ekelhafte Verlockungen wie eine Vertragsverl\u00e4ngerung in Aussicht stellt, die die Frau ja nur von ihrer eigentlichen Arbeit, der dauerhaften und alleinigen Pflege ihrer Kinder, abhalten w\u00fcrde. Ohne Vertrag muss man sich auch keine Gedanken drum machen, ob man f\u00fcr das Kind einen Platz in der Kita oder im Betriebskindergarten bekommt. Man hat ja dann gl\u00fccklicherweise jede Menge Zeit zur Verf\u00fcgung. Das n\u00e4chste Problem ist nat\u00fcrlich noch der Mutterschutz. Auch da kommt der Chef aber auf eine einfache und sinnstiftende L\u00f6sung: &#8222;Ich m\u00f6chte kein gro\u00dfes Ding daraus machen, die Schwangerschaft nicht an die gro\u00dfe Glocke h\u00e4ngen. Am Besten machst du einfach vorher genug \u00dcberstunden, die kannst du da dann abbauen.&#8220;<\/div>\n<div style=\"margin-bottom:0;\">Welch eine Idee. Wie k\u00e4me diese Frau, die doch gleichberechtigt mit M\u00e4nnern sein m\u00f6chte, denn dazu, sich \u00fcber den Mutterschutz quasi einen Vorteil zu holen. Bezahlter Urlaub f\u00fcr M\u00fctter. Eine Art Lob daf\u00fcr, dass sie sich falsch verhalten hat und schwanger geworden ist. So weit kommt&#8217;s noch. Da kann sie diesen Urlaub doch auch einfach vorher selbst rausarbeiten. Eine Art des Kompromisses, die Schule machen k\u00f6nnte: <br \/>Wir einigen uns vor Gericht auf einen Vergleich indem du die gesamte Schuld und die Kosten des Verfahrens tr\u00e4gst, und ich trage alles \u00dcbrige. <br \/>Wir verteilen jetzt das Essen fair auf alle Anwesenden. Ich esse alles und der Rest w\u00e4scht dann daf\u00fcr ab und bezahlt.<\/div>\n<div align=\"JUSTIFY\" style=\"margin-bottom:0;\">Wie gesagt: Es gibt Momente im Leben, in denen es einem ein schier unendliches Bed\u00fcrfnis ist, seinem Gegen\u00fcber irgendwas Schweres an den Kopf zu werfen. Etwas Schweres und Festes. Man k\u00f6nnte einen Paragraphen f\u00fcr geistige Notwehr definieren. Wenn jemand, mit den Aussagen die er trifft beweist, dass er \u2013 um es mit Volker  Pispers zu sagen \u2013 d\u00fcmmer ist, als hundert Meter Landstra\u00dfe bei Kassel, dann hat man drei Sekunden Zeit, irgendwas zu werfen.<\/div>\n<div align=\"JUSTIFY\" style=\"margin-bottom:0;\">Der Paragraph k\u00f6nnte dann auch gleichberechtigt f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen gelten. Prinzipiell.<\/div>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>[youtube http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rsJY2P-p_xM]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen wundersch\u00f6nen guten Tag, mal wieder ein relativ neuer Text. Ich w\u00fcnsche euch viel Spa\u00df damit. Habt ihr den Termin meiner Buchrelease-Party am 20.Juli hier rechts am Rande schon bemerkt? Das wird ganz wunderbar! 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