{"id":124,"date":"2012-08-13T23:25:00","date_gmt":"2012-08-13T21:25:00","guid":{"rendered":"http:\/\/arnowilhelm.wordpress.com\/2012\/08\/13\/hinter-verschlossenen-turen-1"},"modified":"2012-08-13T23:25:00","modified_gmt":"2012-08-13T21:25:00","slug":"hinter-verschlossenen-turen-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.arno-wilhelm.de\/?p=124","title":{"rendered":"Hinter verschlossenen T\u00fcren (1)"},"content":{"rendered":"<p>Einen wundersch\u00f6nen guten Abend,<\/p>\n<p>ich habe mit einer neuen Erz\u00e4hlung angefangen, die die Fortsetzung von &#8222;<a href=\"http:\/\/www.larrydevito.blogspot.de\/search\/label\/Dem%20Ende%20entgegen\" target=\"_blank\">Dem Ende entgegen<\/a>&#8220; bildet. Die Kapitel sollen in Abst\u00e4nden von ungef\u00e4hr zwei Wochen erscheinen. Ich hoffe sie wird euch gefallen, \u00fcber Resonanz jedweder Art freue ich mich wie immer sehr!<\/p>\n<p>F\u00fchlt euch herzlich gegr\u00fc\u00dft,<\/p>\n<p>Arno \/ Larry<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/intern.arno-wilhelm.de\/hvt\/ArnoWilhelm-HVT.pdf\" target=\"_blank\">Hinter verschlossenen T\u00fcren &#8211; PDF <\/a><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>1.\u00a0 Kapitel<\/p>\n<p>Ist es nicht seltsam, wenn eine Geschichte ihren Anfang an einer T\u00fcr nimmt? Auf den Stufen davor, ja, oder im Haus, das kann man erwarten. Gerade H\u00e4user k\u00f6nnen so viele Geschichten erz\u00e4hlen. Davon, wer sie einst bewohnt hat und welche Narben sie davon getragen haben. Wie die Zeit sie ver\u00e4ndert hat. Aber was gibt es schon gro\u00df \u00fcber eine T\u00fcr zu sagen? Die, um die es hier geht, war eine sehr schlichte, nicht allzu auff\u00e4llige T\u00fcr. Braunes Fichtenholz, das vor Jahrzehnten, als es noch neu und gepflegt gewesen war, bestimmt einen guten Eindruck auf den Beobachter hinterlassen hatte. Dazu ein kleiner, schn\u00f6rkelloser Griff, dessen einstiges Strahlen mit den Jahren zu einem matten, abgegriffenen, silbernen Schimmer verkommenen war. Alles in allem wirkte die T\u00fcr wie viele andere in der Stadt. Alt und nicht gut gesch\u00fctzt. Doch bei genauerer Betrachtung konnte man erkennen, dass dieser Schein trog. Die T\u00fcr, an der unsere Geschichte beginnt, barg ein paar Besonderheiten. Nicht in ihrer Form oder dem Material. Nicht in dem elektrischen Schutzschild, der Unbefugten den Durchgang verweigerte. Auch nicht in ihrem Schloss &#8211; all das war im weitesten Sinne gew\u00f6hnlich. Besonders war das Haus, zu dem sie den Zugang regelte und die Menschen, die sie passierten. Ungew\u00f6hnlich ist ein gutes Wort um die meisten der Menschen zu klassifizieren, die durch sie hindurchgingen. Diese Menschen mochten Namen wie Lisa-Marie Wagner, Max Schneider oder Peter Neuer tragen, ganz normale Namen also. Aber ganz egal was man ihnen bei ihrer Geburt in die Geburtsurkunde geschrieben hatte und wie sie sich heute nannten, sie waren alles andere als normal. Sie waren Abschaum. Der Bodensatz der Gesellschaft. Viele von ihnen waren reich, manche durchaus angesehen, doch wenn sie durch diese T\u00fcr gingen, wurden sie unabh\u00e4ngig von ihrem Stand und ihrem Konto unweigerlich dem Bodensatz zugeordnet.<br \/>\nMan behauptet hin und wieder, Menschen w\u00fcrden ein Buch nach seinem Umschlag beurteilen. Das ist nicht mehr als ein Bruchteil der Wahrheit. Von entscheidender Bedeutung ist der Standort des Buches. Liegt es in einer gro\u00dfen, gut beleuchteten Buchhandlung f\u00fcr jeden gut sichtbar auf dem Bestsellertisch aus oder in der hintersten Ecke eines kleinen, verstaubten Antiquariats? In einer Kiste auf dem Flohmarkt oder durchn\u00e4sst und achtlos weggeworfen am Stra\u00dfenrand? So \u00e4hnlich verhielt es sich auch mit den Menschen, deren Schicksal sich hier im Haus abspielte.<br \/>\nBegegnete man einem von ihnen auf der Stra\u00dfe, ging man in den meisten F\u00e4llen weiter, ohne sich umzusehen. Wer erkennt schon einen Wahnsinnigen, der einen Anzug tr\u00e4gt, frisch rasiert ist und besonnen l\u00e4chelt? Wer w\u00fcrde schon einen gesunden Geist erkennen, wenn der Mensch dazu sich die Haare rauft und schreiend und mit irrem Blick, nur mit einer Unterhose bekleidet, durch die Stadt rennt? Egal wie gut seine Gr\u00fcnde daf\u00fcr sein m\u00f6gen.<br \/>\nDoch wenn Menschen durch diese T\u00fcr in das Haus dahinter gingen, die Arme im unnachgiebigen Griff eines humanoiden Roboters in Uniform, manche sogar extra auf eine Bahre geschnallt, dann gab es keine Fragen mehr. Kein Interesse an ihrer Pers\u00f6nlichkeit und ihren inneren Werten. Sie wurden Ausgesto\u00dfene, \u00fcber die man m\u00f6glichst nicht sprach und f\u00fcr deren Befinden sich niemand interessierte. Wenige Verbrechen waren schlimm genug, um einen Menschen direkt hier landen zu lassen. Die meisten Delikte, bei denen man ertappt wurde, brachten nur eine K\u00fcrzung der allmonatlichen Rente, die heutzutage jedermann ein Leben lang erhielt. Erst, wenn man dreimal mit einem kleineren Verbrechen in Verbindung gebracht werden konnte, musste man durch die T\u00fcr treten und kam hoffentlich gel\u00e4utert und gesetzestreu wieder heraus. Jede weitere Gesetzes\u00fcbertretung brachte einem einen lebenslangen Aufenthalt. Gehen sie nicht \u00fcber Los. Ziehen sie nie wieder auch nur einen einzigen Euro ein.<br \/>\nF\u00fcr Mord, Vergewaltigung und andere Verbrechen solchen Ausma\u00dfes konnte man sich auch beim ersten Versuch schon auf einen langen Urlaub ohne Wiederkehr hinter dieser T\u00fcr einrichten.<br \/>\nJeder Insasse hatte einen zust\u00e4ndigen Roboter, denjenigen, der ihn verhaftet hatte. Dieser f\u00fchrte ihn in das Haus und in die Zelle, deren transparente, aus einem elektrischen Feld bestehende Wand sich hinter dem Gefangenen materialisierte. Transparent, so dass der Gefangene von nun an all diejenigen sehen konnte, die nach ihm in den Zellenblock gebracht wurden. Der Roboter k\u00fcmmerte sich darum, dass die Zelle sauber war, er brachte dem Gefangenen das Essen und beantwortete einfache Fragen. Wieviel Uhr ist es? Welcher Tag ist heute? Nichts, was den Gefangenen oder das Gef\u00e4ngnis betraf. Der Roboter fuhr munter durch die durchsichtige Zellent\u00fcr und jeder Neuank\u00f6mmling probierte mindestens einmal, ihm zu folgen. J\u00fcngere M\u00e4nner versp\u00fcrten nur einen starken Stromschlag, wohingegen es bei \u00e4lteren M\u00e4nnern und Frauen oft bis zur Bewusstlosigkeit reichte. Man lernte schnell, dass man dieses Geb\u00e4ude nicht verlassen konnte.<br \/>\nDurch die T\u00fcr war damals auch Peter Neuer gekommen. Wie von selbst hatte sie sich f\u00fcr ihn und seinen metallenen W\u00e4rter ge\u00f6ffnet und ihn hinein gebeten. Vorbei an zahlreichen Zellen bis hoch in den dritten Stock, den er seitdem nicht mehr verlassen hatte. F\u00fcr ihn war es nicht der erste Gesetzesversto\u00df gewesen, der ihn in die \u201aHaftanstalt I \u2013 Berlin &amp; Brandenburg\u2018 gebracht hatte, auch nicht der dritte oder vierte. Allerdings der erste, der schiefgegangen war. Er war ein Mann der Tat, der genau planen und sich auch an Pl\u00e4ne halten konnte. Wenn man das von all seinen Kollegen h\u00e4tte behaupten k\u00f6nnen, w\u00fcrde er sein Dasein heute noch auf freiem Fu\u00df verbringen. Er hatte im Laufe der Wochen und Monate hier einige seiner alten Mitstreiter an seiner Zelle vorbeigehen sehen. Manche offensichtlich protestierend, andere mit ernster Miene und in Gedanken versunken. Keiner von ihnen hatte nach links oder rechts gesehen und ihn bemerkt &#8211; h\u00f6ren konnten sie ihn nicht. Der Durchgang mochte durchsichtig sein, doch er schottete die Zelle gegen Ger\u00e4usche von drau\u00dfen ab. 15 Jahre hatte er f\u00fcr die Sache bei Sony bekommen, von denen er noch mehr als 13 hier abzusitzen hatte.<br \/>\nEr war erf\u00fcllt von Wut. Wut auf Lisa-Marie, die alles versaut hatte, Wut auf seinen Bruder, der ihn im Stich gelassen hatte und vor allem Wut auf seine Auftraggeber, die ihn einfach hier sitzen lie\u00dfen. Als er gesehen hatte, wie Lisa-Marie an seiner Zelle vorbeigef\u00fchrt wurde, w\u00e4re er ihr f\u00fcr einen Augenblick am liebsten an die Gurgel gesprungen. Der Stromschlag war noch st\u00e4rker gewesen als beim ersten Mal und hatte ihm f\u00fcr eine knappe Stunde das Bewusstsein geraubt. Seitdem war er nach au\u00dfen hin ganz ruhig. Der Feuerball aus Wut in seinen Eingeweiden durfte nicht zu sehr sein Handeln bestimmen. Nachdenklich spielte er mit dem kleinen Silberkreuz um seinen Hals. Seine Zeit w\u00fcrde kommen wenn er hier wieder raus war. Bis dahin hatte er jede Menge Zeit, Pl\u00e4ne zu schmieden und die n\u00e4chsten Coups zu planen. Er musste seine Reputation wiederherstellen. Ohne Crew ging es nicht, doch er w\u00fcrde neue Leute brauchen, auf die Alten konnte er sich jetzt nicht mehr verlassen.<br \/>\nDie ersten Wochen hatte er noch Hoffnung gehabt, allein hier raus zu kommen. Doch die Zelle gab nichts her, was ihm einen Ausbruch erm\u00f6glicht h\u00e4tte. Er hatte versucht, den W\u00e4rter auseinanderzunehmen, um \u00fcber dessen Elektronik und Platinen einen Weg zu finden, durch seine Zellent\u00fcr zu kommen. Doch egal wie oft er ihn gegen die Wand geschlagen hatte, oder wie stark er auf ihn gesprungen war, die silberne Au\u00dfenh\u00fclle mit den zwei dunkelblauen Streifen vom Kopf hinunter bis zu den F\u00fc\u00dfen hatte sich nicht merklich ver\u00e4ndert. Ebenso wenig wie der W\u00e4rter auf diese Ausbr\u00fcche reagiert hatte. Die Streifen an der Seite waren ein wenig verkratzt und offensichtlich hatte er eins der Armgelenke des W\u00e4rters ein wenig l\u00e4diert. Seitdem sahen die Bewegungen des linken Arms nicht mehr ganz so fl\u00fcssig aus, doch geholfen hatte das Peter nicht im geringsten. Es gab hier nichts, wo er ansetzen konnte, so hatte er sich darauf beschr\u00e4nkt, seinem Geist freien Lauf zu lassen.<br \/>\nEr hatte irgendwann aus einer Laune heraus angefangen, den W\u00e4rter \u201aFluffy\u2018 zu nennen, wie den Hund, den er als Junge gehabt hatte. Statt St\u00f6ckchen holte der Roboter eben Essen und er befolgte ebenso artig seine Kommandos, wie es Fluffy fr\u00fcher getan hatte. Auch wenn er nicht \u201aSitz\u2018 und \u201aPlatz\u2018 machen konnte, sondern nur sagen, wie viel Uhr es war und welchen Wochentag sie gerade hatten.<br \/>\nPeter sa\u00df da, starrte von seiner Pritsche aus die Wand an und dachte an Lisa-Marie. Ihre wundersch\u00f6nen, fein geschwungenen Lippen, die mandelbraunen Augen. Er hatte sich von ihrem Aussehen und seinen Gef\u00fchlen zu ihr schw\u00e4chen lassen und sich Fehler erlaubt. Er durfte keine Fehler machen. Letzten Endes trug auch er Schuld daran, dass er jetzt hier sa\u00df.<br \/>\nFluffy betrat die Zelle. In seinen H\u00e4nden hielt er eine Sch\u00fcssel mit Tomatensuppe, die er neben Peters Pritsche abstellte. Ihm fielen die Ver\u00e4nderungen nicht gleich auf. Die Bewegung des Abstellens war fl\u00fcssiger als sonst, als w\u00e4re der Arm nach so vielen Monaten heute in Fluffys kurzer Abwesenheit doch noch repariert worden. Auch die Streifen waren wieder vollkommen intakt. H\u00e4tte er Fluffys R\u00fccken unter der Uniform betrachtet, h\u00e4tte er eine ungew\u00f6hnliche Schwei\u00dfnaht sehen k\u00f6nnen. Statt sich wie sonst w\u00e4hrend der Essenszeit in eine Ecke der Zelle zu stellen, blieb der Roboter diesmal vor Peters Pritsche stehen. Es dauerte einige Sekunden, bis ihm dieser Umstand bewusst wurde. Dann fiel sein Blick auf den kleinen wei\u00dfen Zettel, den der Roboter in der ausgestreckten Hand hielt.<br \/>\n<!-- [if gte mso 9]&gt;                                                                                                                                                                                                                                                                                    &lt;![endif]--><!-- [if gte mso 10]&gt; \/* Style Definitions *\/  table.MsoNormalTable  {mso-style-name:\"Normale Tabelle\";  mso-tstyle-rowband-size:0;  mso-tstyle-colband-size:0;  mso-style-noshow:yes;  mso-style-priority:99;  mso-style-qformat:yes;  mso-style-parent:\"\";  mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt;  mso-para-margin-top:0cm;  mso-para-margin-right:0cm;  mso-para-margin-bottom:10.0pt;  mso-para-margin-left:0cm;  line-height:115%;  mso-pagination:widow-orphan;  font-size:11.0pt;  font-family:\"Calibri\",\"sans-serif\";  mso-ascii-font-family:Calibri;  mso-ascii-theme-font:minor-latin;  mso-hansi-font-family:Calibri;  mso-hansi-theme-font:minor-latin;} &lt;![endif]--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen wundersch\u00f6nen guten Abend, ich habe mit einer neuen Erz\u00e4hlung angefangen, die die Fortsetzung von &#8222;Dem Ende entgegen&#8220; bildet. 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